
Trends in der Automation - Perspektiven auf die automatisierte Zukunft
Zukunftsstudie Automation 2035
Die Zukunftsstudie „Automation 2035“ gibt einen Ausblick auf die Entwicklung der Automatisierungstechnik in den nächsten 10 Jahren. Neben der Beschreibung von Trends wie Kreislaufwirtschaft, Automatisierung der Märkte, Biologisierung, autonome Systeme und Robotik sowie IT-Sicherheit wird die zu erwartende Veränderung in der Bildung beschrieben.
Mit Methoden der Zukunftsforschung wurden Szenarien erarbeitet, um Zukunftsperspektiven der Automation aufzuzeigen. Personas wurden eingesetzt, um die zukünftigen Entwicklungen plastisch aus den Augen der Personen im Jahr 2025 und des Jahres 2035 zu beschreiben. Die Studie wurde im Rahmen des Kongresses AUTOMATION 2025 in Baden-Baden vorgestellt. Dabei hatten Teilnehmende des Kongresses die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Im Folgenden werden einige dieser Fragen vom Autorenteam beantwortet:
Es heißt, ein Hindernis für die Entwicklung der Automation in Deutschland sei Bürokratie. Teilen Sie diese Auffassung?
VDI: Bürokratie kann den Fortschritt und die Innovation hemmen, insbesondere wenn in Unternehmen Ressourcen zwischen der Erfüllung von Regulatorien und der Entwicklung neuer Ideen konkurrieren. Die Maßnahmen der Bundesregierung zum Bürokratieabbau sind daher ausdrücklich zu begrüßen. Ebenso sollten die Möglichkeiten von IT und Automatisierung, insbesondere der Robotic Process Automation, nicht unterschätzt werden. Diese Technologien können Geschäftsprozesse automatisieren, wiederkehrende Aufgaben übernehmen und somit einen wichtigen Beitrag zur Verringerung bürokratischer Aufwände leisten.
Warum wird das Fahren eines Verbrenner-Autos so negativ bewertet? Können Sie nachweisen, dass ein E-Auto CO2-neutraler und „sauberer“ ist als ein modernes Diesel-Fahrzeug?
VDI: Es ist unbestritten, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in den letzten Jahrzehnten erhebliche Effizienzsteigerungen erfahren haben. Dennoch zeigen aktuelle Studien, dass batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) unter geeigneten Rahmenbedingungen – insbesondere bei einer CO2-armen Stromerzeugung schon bei der Herstellung der Batterie – eine deutlich bessere Klimabilanz aufweisen als moderne Diesel-Pkw. Dies wird u. a. durch die im Dezember 2023 veröffentlichte VDI-Ökobilanz-Studie zu verschiedenen Antriebssystemen gezeigt.
Wenn wir auf die letzten 10 Jahre schauen, hat sich auf dem Shopfloor der Prozessautomation nicht so viel verändert, Industrie 4.0 wurde nur rudimentär implementiert. Woran machen Sie disruptive Veränderungen in den kommenden 10 Jahren fest?
VDI: Disruptive Veränderungen in der Prozessautomation und auf dem Shopfloor in den kommenden 10 Jahren lassen sich vor allem auf technologische Fortschritte zurückführen, wie die Entwicklung künstlicher Intelligenz, umfangreiche Datenerfassung und darauf basierende datengetriebene Entscheidungsfindung. Hinzu kommen steigende Anforderungen an die Flexibilisierung der Produktion, die Verschmelzung von digitalen Zwillingen und physischen Anlagenteilen sowie die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Auch Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz, unterstützt durch neue Automatisierungstechnologien, spielen eine wichtige Rolle. Die Kombination dieser Faktoren wird die Prozessautomation in den nächsten Jahren grundlegend verändern.
Heute sind Vorlesungen und Prüfungen wenig bis gar nicht auf Kreativität ausgerichtet. Wie kann der VDI unterstützen, dass Kreativität im Studium auch im Lehrplan gefördert wird?
VDI: Bildung wird sich verändern müssen – insbesondere im Hinblick auf tiefgreifende technologische Entwicklungen wie den Einsatz künstlicher Intelligenz. Kreativität und interdisziplinäres Denken werden künftig zentrale Kompetenzen sein. Dabei kommt es darauf an, die unterschiedlichen Lehr- und Lernformate so zu verknüpfen, dass Studierende bestmöglich in ihrem Kompetenzaufbau unterstützt werden. Deshalb ist das Thema Bildung eines der zentralen Themen der VDI-Initiative "Zukunft Deutschland 2050". In diesem Rahmen wurde im Mai 2025 ein Impulspapier mit dem Titel "Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft" veröffentlicht.
Wie verdienen die Beschäftigten ihr Geld, wenn KI-Systeme die Grundaufgaben erledigen? Was ist mit der großen Summe der einfach ausgebildeten Menschen?
VDI: Ähnliche Fragestellungen und Sorgen hinsichtlich technischer Fortschritte gab es wiederholt in der Vergangenheit. Die Erfahrungen zeigen, dass eine erfolgreiche Anpassung vor allem durch gezielte Weiterbildung, umfassende Information und unterstützende Maßnahmen gelingt. Zudem steht Deutschland vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel, der in zahlreichen Studien bestätigt wird. Künstliche Intelligenz, die Routineaufgaben übernimmt, kann einen wichtigen Beitrag leisten, um diesen Generationenwechsel zu bewältigen und dem Fachkräftemangel – sowohl künftig erwartet als auch teilweise bereits spürbar – entgegenzuwirken.
Wir möchten an dieser Stelle auf die VDI-Studie „Auswirkungen generativer KI auf die Arbeit in Ingenieurberufen“ verweisen.
Wir sprechen immer davon, dass wir durch Automatisierung – heute unterstützt durchKI – die Produktion in Europa halten oder – inzwischen – wieder zurückbringen. Welche Anreize bieten wir in Deutschland dafür? Was sind unsere Vorteile, und wo müssen wir dringend besser werden?
VDI: Deutschland und Europa sind in diesem Kontext gemeinsam zu betrachten. Trotz wiederkehrender Kritik bietet sich hier ein sicherer Rechtsrahmen für zahlreiche Produkte, Anwendungen und Lösungen, der in anderen Teilen der Welt nicht existiert, wie etwa den AI-Act. Zudem zeichnet sich Europa durch eine im internationalen Vergleich relativ stabile politische Lage mit vorhersehbaren Entscheidungen aus, was unter anderem stabile Lieferketten ermöglicht. Deutschland verfügt darüber hinaus über eine solide technische Ausbildung im dualen System sowie an Hochschulen, die eine gute Basis bilden, auch wenn Weiterentwicklungen notwendig sind. Die zukünftige Gestaltung von Infrastruktur und Energieversorgung muss ebenfalls in den Fokus rücken, bietet bei gezielter Umsetzung jedoch großes Potenzial, Deutschland und Europa als Produktionsstandorte nachhaltig zu stärken.
Wird die extensive Nutzung von KI nicht gerade die Lernfähigkeit von Menschen reduzieren?
VDI: Bildung wird sich verändern müssen – insbesondere im Hinblick auf tiefgreifende technologische Entwicklungen wie den Einsatz künstlicher Intelligenz. Kreativität und interdisziplinäres Denken werden künftig zentrale Kompetenzen sein. Dabei kommt es darauf an, die unterschiedlichen Lehr- und Lernformate so zu verknüpfen, dass Studierende bestmöglich in ihrem Kompetenzaufbau unterstützt werden. Deshalb ist das Thema Bildung eines der zentralen Themen der VDI-Initiative "Zukunft Deutschland 2050". In diesem Rahmen wurde im Mai 2025 ein Impulspapier mit dem Titel "Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft" veröffentlicht.
Fachlicher Ansprechpartner:
Sascha Dessel M.Sc.
VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik
Telefon: +49 211 6214-678
E-Mail: dessel@vdi.de




