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Mobilität

VDI 2700 Ladungssicherung

50 Jahre mehr Sicherheit auf der Straße

Im Oktober 1975 wurde die Richtlinie VDI 2700 'Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen' zum ersten Mal veröffentlicht. Seitdem hat sie sich fest im Logistikbereich etabliert und dadurch unsere Straßen sicherer gemacht. Denn mangelhaft gesicherte Ladung ist nach wie vor eine häufige Unfallursache und für rund 20 % aller schweren Lkw-Unfälle verantwortlich. Somit hat die Richtlinie VDI 2700 viel zur Verkehrssicherheit beigetragen. Seit nunmehr 50 Jahren spiegelt sie den aktuellen Stand der Technik wider. So definiert sie den Standard für den sicheren Transport von Gütern und hilft, Unfälle und Personenschäden zu vermeiden. Dieses halbe Jahrhundert feiern wir mit einem kurzen Rückblick auf die Anfänge und einem Blick nach vorn.

Entstehung und Zielsetzung

Als die VDI 2700 im Oktober 1975 veröffentlicht wurde, war sie eine Gemeinschaftsleistung von Industrie, Güterkraftverkehr, Berufsgenossenschaften, Prüfgesellschaften sowie Fahrzeug- und Aufbauherstellern. Denn bis dahin fehlte eine einheitliche und technisch fundierte Grundlage für die Sicherung von Ladung. Dieser Umstand führte aber häufig zu gravierenden Schadensfällen. Von Beginn an war es daher das erklärte Ziel der Richtlinie, verlässliche und nachvollziehbare Standards zu schaffen, um Risiken im Transportwesen zu reduzieren und schwere Unfälle zu verhindern. Der damalige Fachausschuss B6, heute FA 308.2 „Ladungssicherung“, schuf damit ein zuverlässiges Regelwerk, das Technik und Praxis zusammenbrachte.

Die große Zahl an Beteiligten aus verschiedenen Branchen brachte enorme Fachexpertise und Erfahrung ein. Ihre Erkenntnisse sorgten dafür, dass die VDI 2700 von Anfang an praxisnah und dynamisch war. Neben ihrer technischen Relevanz gewann sie schon früh auch juristische Bedeutung: Sie gilt bis heute als anerkannte Regel der Technik und konkretisiert damit die Pflichten, die § 22 StVO einfordert. Daher wird sie von Kontrollbehörden, Sachverständigen und Gerichten regelmäßig als Bewertungsmaßstab herangezogen.

Und weil es die eine richtige Sicherung für alles nicht gibt, folgte der ersten Version eine ganze Richtlinienreihe VDI 2700 mit genauen Vorgaben zur sachgerechten Sicherung unterschiedlicher Güter. Dabei geht es nicht nur um genaue Berechnungen der wirkenden Kräfte und die besten Zurrmittel, sondern auch um deren fachkundige Anwendung. Denn neben zu verhindernden Personenschäden, ist gute Ladungssicherung auch für die Qualitätssicherung wesentlich, denn etwa 70 Prozent Schäden an Waren wären durch sachgerechte Sicherung vermeidbar.

Aufbau und Weiterentwicklung

Da es viele unterschiedliche und spezialisierte Anwendungen gibt, ist die VDI 2700 als Loseblattsammlung konzipiert und wird seit 1975 fortlaufend ergänzt. Heute umfasst die Richtlinienreihe über 20 Blätter: von Grundbegriffen und Sicherungsverfahren bis zu spezifischen Anwendungen, etwa zum Transport von Papierrollen oder Fahrzeugen sowie zu Prüfverfahren. Aktualisierungen erfolgen regelmäßig und sind meist Reaktionen auf technische und rechtliche Neuerungen, zum Beispiel neue Fahrzeugtypen, veränderte Materialien oder Änderungen europäischer Normen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die zuletzt überarbeiteten Blätter 8, 8.1 und 8.2, die sich dem Sonderfall der Sicherung von Pkw sowie leichten und schweren Nutzfahrzeugen auf Transportern widmen. Sie legen präzisierte Prüfverfahren und Berechnungsgrundlagen fest, denn moderne Elektrofahrzeuge oder SUV sind z.B. schwerer als frühere Verbrenner.

Rechtliche Relevanz und Verantwortung

Die VDI 2700 ist zwar keine gesetzliche Norm, sie hat sich jedoch längst zum faktischen Standard entwickelt. Wer nach ihren Vorgaben sichert, erfüllt im Regelfall seine Sorgfaltspflicht. Wer davon abweicht, muss die Gleichwertigkeit seiner Sicherungsmethode nachweisen können. Mangelhafte Ladungssicherung kann zu Bußgeldern, strafrechtlichen Ermittlungen oder zivilrechtlichen Haftungsansprüchen führen. Und die Verantwortung für eine sichere Ladung liegt nicht allein beim Fahrpersonal. Die Richtlinie definiert klare Zuständigkeiten:

  • Verlader und Unternehmer tragen Verantwortung für Umsetzung und Dokumentation,
  • Fahrzeughalter müssen geeignetes Equipment bereitstellen,
  • Fahrpersonal ist verpflichtet, regelmäßig geschult zu werden.

Der Ausbildungsnachweis nach VDI 2700a bietet eine rechtssichere Dokumentation erworbener Qualifikationen und ist inzwischen Standard in vielen Logistikunternehmen.

Praxisrelevanz und aktuelle Herausforderungen

Die Richtlinienreihe legt mit einer einheitlichen Terminologie und klaren Berechnungsgrundlagen die Basis für die sichere Abwicklung nationaler und internationaler Transporte.

In den letzten Jahren gab es zahlreiche umfassende Änderungen, etwa bei Fahrzeugtransportern, Prüfmethoden und Anforderungen an Personal und Ausrüstung. Daher sind kontinuierliche Weiterbildung und enge Zusammenarbeit mit Fahrzeug- und Aufbauherstellern unerlässlich.
Hier bleibt die VDI 2700 ein wichtiger Grundpfeiler als „anerkannte Regel der Technik“. 

Autorin: Gudrun Huneke
 

Fachlicher Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Simon Jäckel
VDI-Fachbereich Technische Logistik
E-Mail: jaeckel@vdi.de