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Bild: Hinterhaus Productions via Getty Images
Klima, Umwelt, Energie, Nachhaltigkeit

VDI 2343

Recycling von Elektroaltgeräten

Elektrogeräte sind in unserem Leben allgegenwertig, vom Mobiltelefon, über den Computer, den Toaster und die elektrische Zahnbürste. Leider ist ihre Lebensdauer oft nicht sehr lang und nach ihrem Lebensende ist es wichtig, dass sie recycelt werden und nicht auf der Deponie oder noch schlimmer in der Umwelt landen. Die Richtlinienreihe VDI 2343 beschäftigt sich mit dem Recycling dieser elektrischen und elektronischen Geräte und gibt praxistaugliche und rechtskonforme Handlungsempfehlungen für Hersteller, Entsorgungsbetriebe, Re-Use-Betriebe, Behörden, Umweltverbände und Forschende. Aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Beitrag dazu leisten, dass weniger Elektroschrott anfällt.

Dr.-Ing. Ralf Brüning, Vorsitzender des Richtlinienausschusses VDI 2343 Recycling elektrischer und elektronischer Geräte erklärt im Interview, dass genaue Begriffsdefinitionen auch beim Recycling wichtig sind, dass weniger oft mehr ist und dass Elektroschrott weder in die gelbe noch die graue Tonne gehört.

VDI: Warum ist es wichtig, dass elektrische und elektronische Geräte recycelt werden und nicht einfach auf der Deponie landen?

Ralf Brüning: Deutschland hat im europäischen Vergleich mit das größte Aufkommen an Elektronikaltgeräte. Technische Innovationen, kürzere Produktlebensdauern, verkürzte Nutzungszyklen und ständig neue Geräte und Modelle (zu einem relativ günstigen Preis) erzeugen höhere Abfallmengen. Begründet durch die sich abzeichnende Verknappung und Erschöpfung wichtiger Ressourcen (z.B. seltene Erden), die verstärkten Umweltbelastungen, den Klimawandel und den teilweise unzulänglichen Bedingungen bei der Abfallbehandlung (insbesondere in afrikanischen und asiatischen Ländern) hat in den letzten Jahren vermehrt zur Sensibilisierung der Fachwelt und Öffentlichkeit beim Umgang mit Abfall geführt.

Die VDI 2343 trägt dazu bei, betroffene Akteure wie z. B. Entsorgungsbetriebe, Hersteller, Universitäten, Behörden, Juristen, Umweltverbände, ReUse Betriebe bei ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, indem diese praxistaugliche und rechtskonforme Handlungsempfehlungen gibt.

VDI: Die ursprüngliche Richtlinie stammt aus dem Jahr 2001. Welche neuen Aspekte finden sich nun in der Überarbeitung der VDI 2343 Blatt 1?

Ralf Brüning: Die Richtlinie VDI 2343 besteht inhaltlich aktuell aus sieben Bereichen (Blätter). Sie umfasst Grundlagen und Begriffe, die Logistik, die Demontage, die Aufbereitung, die stoffliche Verwertung (Recycling) und energetische Verwertung und zuletzt auch die Beseitigung (z.B. Deponie). Außerdem werden die Vermarktung und das ReUse elektrischer und elektronischer Geräte behandelt. In dieser Richtlinie werden die Begriffe definiert, die für die Arbeit mit der Richtlinienreihe notwendig sind. Außerdem wird ein kurzer Überblick über die Anwendung der Werkstoff- und Kunststoffsystematik gegeben.

VDI: Das Blatt 1 der Richtlinie ist vor allem eine Sammlung von Begriffen von A wie „Abfälle“ bis W wie „Werkstoff“. Wieso ist es gerade im Bereich des Recyclings wichtig, ein gemeinsames Verständnis von Begriffen zu haben?

Ralf Brüning: Im fachlichen Umfeld erleben wir noch immer regelmäßig, dass Begriffe unterschiedlich oder gar falsch verwendet werden und es dadurch zu Missverständnissen kommt. Diese Missverständnisse können sich hinderlich auf den weiteren Austausch und die Findung von Lösungen auswirken. Hier soll mit der VDI 2343 Abhilfe geschaffen und eine übersichtliche Grundlage sowie Hilfestellung für das gemeinsame Verständnis von Begriffen aus der Kreislaufwirtschaft geschaffen werden.

VDI: Auch wenn die Richtlinie sich an ein Fachpublikum wendet, haben Sie ein paar Tipps an Verbraucher und Verbraucherinnen, wie sie einen Beitrag zum Recycling von elektrischen und elektrischen Geräten leisten können?

Ralf Brüning: Wenn wir uns die Abfallpyramide anschauen, die das Kreislaufwirtschaftsgesetz aufzeigt, dann müssen vor dem Recycling zwei Stufen durchlaufen werden, bevor die dritte Stufe „Recycling“ überhaupt erst zum Tragen kommt. Die erste Stufe bildet die Abfallvermeidung und die zweite Stufe die Vorbereitung zur Wiederverwendung. Vor allem mit der ersten Stufe werden und Verbraucherinnen und Verbraucher adressiert. Es geht hier um die Vermeidung von Abfällen. Hier können alle auf zwei Ebenen einen wichtigen Beitrag leisten. Einmal beim Konsum und einmal bei der Entscheidung über die Entsorgung der elektrischen und elektronischen Geräte. Folgende Fragen sollte sich jeder Mensch in diesem Zusammenhang stellen:

  • Ist es wirklich notwendig alle zwei Jahre ein neues Smartphone zu kaufen?
  • Benötige ich tatsächlich jedes elektronische Haushaltsküchengerät, Werkzeug, das mir am Markt bzw. in der Werbung angepriesen wird?
  • Kann es wirklich sein, dass ich das Gerät XY für diesen günstigen Preis kaufe und dann ein hochwertiges, langlebiges, reparaturfreundliches Gerät bekomme, das unter guten und nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurde?
  • Kann ich das elektrische oder elektronische Gerät nicht doch noch reparieren lassen anstatt es zu entsorgen?
  • Will, möchte oder muss ich beispielsweise den Staubsauger tatsächlich entsorgen oder kann ich ihn nicht auch noch an Bekannte verschenken oder in Onlineportalen anbieten? Auch defekte Geräte können nützliche Ersatzteile enthalten.

Es ist auf alle Fälle wichtig, dass man - wenn man sich für die Entsorgung eines elektrischen oder elektronischen Gerätes entschieden hat - das Gerät fachgerecht entsorgt. Also nicht in der schwarzen Tonne, dem gelben Sack oder illegal am Straßenrand oder im Wald, sondern an den Rücknahmestellen wie an Wertstoffhöfen oder bei Händlern von elektrischen und elektronischen Geräten. Denn eine Rückgabe von elektrischen und elektronischen Geräten ist für Privatpersonen z.B. an den Wertstoffhöfen kostenfrei. So leisten alle einen wichtigen Beitrag, dass auch die Sammlung, Rückführung und Verwertung der in den elektrischen und elektronischen Geräten eingesetzten Ressourcen überhaupt erst machbar wird.

Die VDI 2343 Blatt 1 wird im Sommer 2025 in ihrer überarbeiteten Form veröffentlicht und ist dann bei DIN Media erhältlich.

Interview und Ansprechparterin im VDI: 
Dr. Laura Wollny
VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt
Telefon: +49 211 6214-592
E-Mail:  laura.wollny@vdi.de