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Deutschland 2030

Brennstoffzelle: „Deutschland kann noch Vorreiter werden“

Um die energie- und umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, braucht es in Sachen Elektromobilität mehr als nur den Antrieb durch Batterie. Der VDI fordert daher gemeinsam mit dem VDE die gleichberechtigte Förderung von Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeugen.

VDI: Frau Heinzel, genügen Batteriefahrzeuge für die Elektromobilität von morgen?

Angelika Heinzel: Ganz alleine – nur Batteriefahrzeuge? Das dürfte nach dem heutigen Stand der Technik nicht ausreichen. Insbesondere wenn ich große Reichweiten fahren will, schnell tanken möchte, wenn ich eine große Nutzlast in einem Lkw bewegen möchte oder Züge, Flugzeuge oder Schiffe betrachte. All diese Mobilitätsanwendungen werden mit Batterien nicht abdeckbar sein.

VDI: Was ist Ihrer Meinung nach der Vorteil der Brennstoffzelle?

Angelika Heinzel: Die Brennstoffzelle hat einen separaten Tank, den ich größer oder kleiner machen kann – unabhängig von der Energiewandlungseinheit. Das heißt, wenn ich einen genügend großen Tank in meinem Fahrzeug unterbringen kann, ist auch die Reichweite groß. Und bei Batterien ist die Energie pro Masse relativ klein und damit die Masse dann für die Reichweite sehr hoch.

VDI: Was sind denn die Herausforderungen der Brennstoffzellentechnik in der Produktion?

Angelika Heinzel: Die Produktion von Batterien ist eigentlich in Asien etabliert. Das ist bekannt. Da gibt es in Europa relativ wenige Aktivitäten. Bei den Brennstoffzellen öffnet sich hier jetzt noch eine Chance. Da es noch keine Brennstoffzellenproduktion weltweit gibt, könnte Deutschland noch Vorreiter werden und die Produktion beginnen. Der Nachteil sind bei Batterie und Brennstoffzelle allerdings gewisse Rohstoffe, die nicht unendlich zur Verfügung stehen. Diese müsste man zumindest sehr sorgfältig betrachten und recyclen.

VDI: Wo sehen Sie Handlungsbedarf seitens der Forschung?

Angelika Heinzel: Seitens der Forschung heißt es möglichst umweltschonende Produktionstechniken und energiesparende Energiesysteme zu entwickeln. Außerdem müssen Wirkungsgrade verbessert sowie Speichertechniken und Hochdrucksysteme optimiert werden. Da ist noch eine ganze Menge an Handlungsbedarf.

VDI: Und aus politischer Sicht?

Angelika Heinzel: Aus politischer Sicht brauchen wir ausreichend Rückenwind, um die Markteinführung zu schaffen. Denn die neuen Technologien sind ja jetzt nicht per se besser als die alten Technologien. Das Benzinauto fährt für den Verbraucher ganz hervorragend – da gibt es ja gar keine Abstriche. Aber um jetzt die neue, noch teurere Technologie in den Markt zu bringen, braucht es politische Unterstützung und Anreize.

VDI: Wie schätzen Sie allgemein die Zukunft der Elektromobilität ein?

Angelika Heinzel: Natürlich nur in rosaroten Farben, da es die beste emissionsfreie Mobilität für die Zukunft ist – sowohl Batterie als auch Brennstoffzelle. Sie ist lokal jetzt schon emissionsfrei. Die Städte werden die Gewinner sein, denn sie haben weniger Lärm und gar keine Emissionen mehr – das ist wunderschön. Natürlich geht es nun darum, das auch in der ganzen Produktionskette emissionsfrei hinzubekommen. Das ist das Ziel, was wir mit der Energiewende erreichen wollen.

VDI: Vielen Dank für das Interview.

Autor: Hanna Büddicker

Redaktionelle Bearbeitung: Thomas Kresser