
Hitzeaktionstag
Hitzeaktionsplanung: Zentraler Baustein der Gesundheitsvorsorge
Unterschiedliche Klimamodelle flüstern es bereits: Der Sommer 2025 könnte ein Rekord-Sommer werden – mit entsprechenden Folgen für die menschliche Gesundheit. Neusten Modellrechnungen zufolge steht dem europäischen Kontinent mit großer Wahrscheinlichkeit ein außergewöhnlich heißer und trockener Sommer bevor. Darauf lässt auch der Wärmestau im Nordatlantik schließen, wie das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg vor kurzem mitteilte.
Dabei sind extrem warme Sommer in Europa immer häufiger zu verzeichnen. Welche Maßnahmen sind daher im Sinne einer Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu ergreifen, um die Bevölkerung zu schützen?
Prävention durch Hitzeaktionsplanung
Der VDI hat 2025 die Expertenempfehlung VDI-EE 3787 Blatt 13.1 bis 13.3 zum Schutz vor Hitze veröffentlicht. Städte und Gemeinden können sich anhand dieser detaillierten und konkreten Empfehlung besser auf extreme Hitze vorbereiten. Ziel der VDI-Expertenempfehlung ist es, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Wichtige Punkte sind die fachübergreifende Zusammenarbeit, die Nutzung effektiver Warnsysteme und eine regelmäßige Überprüfung der Maßnahmen mit klaren Festlegungen der Verantwortlichen.
Prognostizierte Zunahme von Hitzeereignissen in Europa und Deutschland
Wie bedeutend diese Punkte (Empfehlungen) sind, zeigen die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), die seit den 1970er Jahren eine Zunahme von Hitzeereignissen in Deutschland verzeichnen. Unter Berücksichtigung aktueller Klimawandelszenarien muss davon ausgegangen werden, dass sie in Zukunft noch häufiger, intensiver und von längerer Dauer vorkommen werden, wie der aktuelle Bericht des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) unterstreicht. Extrem heiße Sommer sind in der Konsequenz in den kommenden Jahren – wie bereits in den Jahren 2003, 2015, 2018, 2019 und 2022 – vermehrt zu erwarten. Daher stellen extreme Hitzeperioden (Hitzetage, Hitzewellen, Omega-Wetterlagen) für die betroffene Bevölkerung (z. B. Hochaltrige, Kranke etc.) eine erhebliche Gesundheitsgefahr dar, wie seit dem Hitzesommer 2003 in Westeuropa mit ca. 70.000 hitzebedingten Todesfällen bekannt.
Zu den von Hitze besonders betroffenen Risikogruppen gehören ältere Menschen mit eingeschränkter Fähigkeit zur Temperaturregulation, Menschen mit chronischen Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes und Übergewicht), Säuglinge, Kleinkinder mit weniger effizienter Wärmeregulierung sowie Schwangere. Auch Menschen, die im Freien arbeiten oder Sport treiben sind direkter und längerer Hitze ausgesetzt. Sozial isolierte oder pflegebedürftige Personen gehören ebenfalls zur Risikogruppe, wenn Sie keinen ausreichenden Zugang zu Kühlung oder Hilfe haben.

Hitzeinduzierte Gesundheitsgefahren
Hohe Lufttemperaturen führen dazu, dass der Körper verschiedene Mechanismen zur Kühlung aktiviert, die bei extremer oder langanhaltender Hitze überlastet werden. Dies kann zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen, die von leichten Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen (Grafik 1).
Die folgenden 5 Hauptgründe zeigen auf, warum Hitze eine zunehmende Gefahr für die menschliche Gesundheit ist:
- Dehydration und Elektrolytverlust:
Starkes Schwitzen führt zu einem Verlust von Wasser und wichtigen Elektrolyten wie Natrium, Kalium und Magnesium. Dehydration kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Durst, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und im schlimmsten Fall zu Nierenversagen und Kreislaufkollaps. Ein Elektrolytmangel kann Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen und andere schwerwiegende Probleme verursachen. - Überlastung des körpereigenen Kühlsystems:
Der Körper versucht, seine Kerntemperatur durch Schwitzen und die Erweiterung der Blutgefäße in der Haut zu regulieren, um Wärme abzugeben. Bei extremer Hitze oder hoher Luftfeuchtigkeit kann dieser Mechanismus ineffektiv werden. Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Verdunstung von Schweiß, was die Kühlung des Körpers behindert. - Überhitzung des Körpers:
Wenn der Körper mehr Wärme aufnimmt oder produziert als er abgeben kann, steigt die Körperkerntemperatur an. Dies kann zu verschiedenen hitzebedingten Erkrankungen wie Hitzeerschöpfung, Hitzekrämpfe und Hitzeschlag führen. - Belastung des Herz-Kreislauf-Systems:
Bei Hitze muss das Herz stärker arbeiten, um Blut zur Hautoberfläche zu pumpen und die Wärmeabgabe zu unterstützen. Dies kann besonders für ältere Menschen und Personen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefährlich sein und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. - Verschlimmerung bestehender Gesundheitsprobleme:
Hitze kann bestehende chronische Erkrankungen wie Atemwegserkrankungen, Nierenerkrankungen, Diabetes und psychische Erkrankungen verschlimmern.
VDI-Expertenempfehlung für eine standardisierte Hitzeaktionsplanung
In Deutschland existiert bislang kein Gesetz oder eine normative Regelung zur Vorsorge bzw. zum Schutz vor Hitze, dem Extremwetterereignis mit dem stärkstem Gesundheitsrisiko. Mittlerweile gibt es in Deutschland ca. 42 Hitzeaktionspläne (Grafik 2).
Die meisten von ihnen orientieren sich an den „Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ der Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Anpassung an den Klimawandel“ (GAK) von 2017. Dennoch wird der Begriff „Hitzeaktionsplan“ aktuell von Kommunen unterschiedlich ausgelegt. Daher erscheint eine harmonisierte Hitzeaktionsplanung, im Sinne einer Standardisierung hilfreich. Vor diesem Hintergrund ist die VDI-Expertenempfehlung zur Hitzeaktionsplanung wichtig, um diese Lücke zu schließen.
Die Inhalte der von der zuvor genannten Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe veröffentlichten Handlungsempfehlungen werden im Rahmen der VDI-Empfehlungen berücksichtigt und konkretisiert. Es werden folgende Kernelemente behandelt:
- Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Nutzung des Hitzewarnsystems
- Information und Kommunikation
- Reduzierung von Hitze in Innenräumen
- Besondere Betrachtung von Risikogruppen
- Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
- Monitoring und Evaluierung
- Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
Die Expertenempfehlungen VDI-EE 3787 Blatt 13.1 bis 13.3 befassen sich mit allen zentralen Aspekten eines Hitzeaktionsplans. Die drei Teilblätter enthalten eine praxisorientierte Handreichung zur Erstellung und Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor hitzebedingten Gesundheitsrisiken (Grafik 3).
VDI-EE 3787 Blatt 13 Hitzeaktionsplanung
In der VDI-EE 3787 Blatt 13.1 "Hitzeaktionsplanung - Koordination, Kooperation, Hitzewarnsystem, Monitoring und Evaluierung" werden die Verantwortlichkeiten, die Koordination sowie die Zusammenarbeit relevanter Akteure unter Berücksichtigung der vulnerablen Gruppen beschrieben. Zusätzlich werden, je nach Dauer und Intensität der Wärmebelastung, Empfehlungen zur Nutzung eines Hitzewarnsystems für die Maßnahmenumsetzung dargestellt. Ebenso behandelt dieses Teilblatt Vorschläge für die zielgruppengerechte Information über die Gefahren und Maßnahmen sowie Hinweise zum Kommunikationsmanagement. Zusätzlich folgen Empfehlungen zum Monitoring und zur Evaluation von Maßnahmen eines Hitzeaktionsplans.
In der VDI-EE 3787 Blatt 13.2 "Hitzeaktionsplanung - Vorbereitende Maßnahmen der Gesundheits- und Sozialsysteme zum Schutz von Risikogruppen" werden gefährdete Bevölkerungsgruppen (Hilfebedürftige und Hilfesuchende) beschrieben, Möglichkeiten ihrer Identifizierung, Lokalisation und Erreichbarkeit in der Kommune vorgestellt und Empfehlungen zu ihrem Schutz vor und bei Hitze erläutert. Zusätzlich werden Hinweise für die Motivation, Schulung und Einbeziehung unterschiedlicher Akteursgruppen in die Konzeption und Umsetzung eines Hitzeaktionsplans gegeben. Hierbei wird zwischen den für Sozial- und Gesundheitsleistungen zuständigen Ressorts und externen Akteursgruppen wie den Leistungserbringern der vertragsbasierten Gesundheitsversorgung unterschieden.
In der VDI-EE 3787 Blatt 13.3 "Hitzeaktionsplanung - Maßnahmen zur Hitzereduktion: Kurzfristige Anpassungen für den Innenraum und langfristige Gebäude- und Siedlungsraumplanung" werden kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Reduzierung von Hitze in Innenräumen beschrieben und eine Sammlung existierender Normen, Standards und Regelwerke von Langfristmaßnahmen in den Bereichen Stadtplanung und Bauwesen dargestellt.
Die Expertenempfehlung konkretisiert die „Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit“ der Bund/Länder Ad-hoc Arbeitsgruppe von 2017. Innovative Ansätze wie eine Entscheidungsmatrix für den Umgang mit einer dreistufigen DWD-Hitzewarnung zur Maßnahmenplanung und Umsetzung fehlen bislang in Deutschland. Durch konkrete und übertragbare Standards wird die Gemeinschaftsaufgabe zum Schutz der menschlichen Gesundheit befördert.
Autor:
Dr. Thomas Griebe, Vorsitzender des Gremiums „Hitzeaktionsplanung“ und Leiter der Abteilung Umweltschutz der Stadt Duisburg
Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Andreas Rutz
Telefon: +49 211 6214-243
E-Mail: andreas.rutz@vdi.de
Ihre Ansprechpartnerin

Sonja Bosso
- +49 211 6214-389
- presse@vdi.de








