
Interview mit Kommunikationsexpertin Erika Magyarosi
Ohne Worte – Der Einfluss nonverbaler Kommunikation auf beruflichen Erfolg
Im Vorstellungsgespräch, bei der Präsentation oder im Arbeitsalltag: Kommunikation findet auch ohne Worte statt. Ob wir überzeugen können, hängt weniger von guten Argumenten als von der Körpersprache ab. Was das heißt und wie wir diese Erkenntnis für uns nutzen können, weiß Kommunikationsexpertin Erika Magyarosi. Sie erklärt, warum gerade Frauen ihr Kommunikationsverhalten bewusst reflektieren sollten und warum man Konflikte feiern sollte.
VDI: Was spielt bei Kommunikation eine Rolle – außer guten, sachlichen Argumenten?
Erika Magyarosi: Der erste, der sich mit Kommunikation wissenschaftlich beschäftigt hat, war Aristoteles. Er sprach von drei Säulen der Rhetorik: Ethos (Vertrauen), Pathos (Emotion) und Logos (Sachlichkeit). Heute zeigt auch die Wissenschaft, was er schon wusste: Sachliche Argumente sind wichtig, aber oft nicht entscheidend.
Gerade Fachkräfte investieren viel in Wissen, dabei unterschätzen sie andere zentrale Faktoren. Wie wirke ich als Führungskraft, wie baue ich Vertrauen auf? Dann folgt man auch meinen sachlichen Argumenten. Auch Emotion wird vor allem über Körpersprache vermittelt und ist oft sogar wirksamer als reine Argumente.
Ich ergänze noch eine vierte Säule: Zuhören. Nicht nur reden, sondern auch wirklich aufnehmen, was der andere sagt. Das ist lernbar, aber es braucht Übung.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist Haltung: zu mir selbst, zum Gegenüber, zum Ziel des Gesprächs.
VDI: Inwiefern kann ich nonverbale Kommunikation überhaupt steuern?
Erika Magyarosi: Nonverbale Kommunikation ist das Fundament jeder Interaktion. Natürlich haben Worte Kraft aber Körpersprache wirkt oft glaubwürdiger als das, was gesagt wird.
Wenn ich sage: „Ich freue mich“, mein Gesicht aber etwas anderes zeigt, entsteht eine Inkongruenz. Wir halten dann das nonverbale Signal oft für „ehrlicher“. Obwohl es sich natürlich trainieren lässt.
Was man visuell wahrnimmt, wirkt nachhaltiger als das, was man hört. Das bedeutet: Körpersprache ist nicht Beiwerk, sondern ein strategisch einsetzbares Instrument.
Besonders in den ersten Sekunden passiert unglaublich viel und zwar noch bevor jemand spricht: Sympathie, Vertrauen, Kompetenz – all das wird nonverbal eingeschätzt. Man kann Vertrauen und Kompetenz allein durch Körpersprache vermitteln. Gerade für Führungskräfte ist das wichtig: Ihr werdet beobachtet. Eure Körpersprache ist emotional ansteckend und damit sehr oft wirksamer als Worte. Sie unterstützt eure Durchsetzungskraft.
VDI: Das ist vielleicht gar nicht jedem so bewusst – wie unterschiedlich Männer und Frauen nonverbal kommunizieren und wie das bewertet wird.
Erika Magyarosi: Ein Lächeln zum Beispiel wird unterschiedlich wahrgenommen: Meine Erfahrung zeigt: Ein Lächeln wird oft verschieden bewertet – bei Frauen eher als soziale Geste, als Nettigkeit oder Empathie, bei Männern häufiger als Souveränität.
Deshalb empfehle ich Frauen, vor allem in Verhandlungen oder Erstgesprächen, gezielt und sparsam mit dem Lächeln umzugehen. Denn um eine Strategie zu entwickeln oder ein Projekt voranzubringen, braucht es nicht immer eine soziale Atmosphäre. Sonst wird man zwar als nett, aber nicht unbedingt als kompetent wahrgenommen.
Ein weiteres Beispiel ist das Nicken. Eigentlich eine schöne Gesprächsgeste. Gerade bei vielen Frauen beobachte ich, dass Nicken sehr großzügig eingesetzt wird. Manchmal wirkt das wie eine vorschnelle Zustimmung. Das kann die eigene Autorität untergraben.
Treffen Sie bewusste Entscheidungen. Was ist gerade wichtiger: Harmonie oder Zielorientierung?
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VDI: Was sind denn typische Stolperfallen in der Kommunikation – gibt es auch speziell weibliche?
Erika Magyarosi: Eine der größten Stolperfallen ist unklare Sprache, und zwar unabhängig vom Geschlecht. Wer unpräzise formuliert oder viele Weichmacher verwendet, sorgt für Missverständnisse, Energieverlust und Konflikte.
Weitere Stolperfallen: schlechtes Zuhören. Also zuhören, um selbst reden zu dürfen und inkongruente Körpersprache.
Durch Sozialisation neigen viele Frauen dazu, ihre Leistung kleinzureden. Ein schönes Beispiel, das dies verdeutlicht: Ein Paar wird nach der Aufteilung der Hausarbeit gefragt. Der Mann beschreibt in epischer Breite, wie er den Biomüll rausbringt: der volle Eimer, das lange Treppenhaus, der Regen. Die Frau neben ihm antwortet auf die gleiche Frage: „Ich mache den Rest.“ „Der Rest“ ist hier aber nicht greifbar, sodass ihre Leistung hier unsichtbar bleibt.
Das müssen wir lernen: Leistung zeigen ist nicht gleich Angeberei. Wir können das sachlich, elegant und professionell tun.
Ein zweiter Punkt: das übermäßige Harmoniestreben. Perfekte Harmonie ist eine Illusion und ehrlich gesagt auch schrecklich langweilig. Sie kann Entwicklung sogar behindern. Statt Konflikte zu vermeiden, sollte man sie als Chance sehen und feiern. Denn Konflikte entstehen, wenn Entwicklung stattfindet.
VDI: ...deshalb finde ich es wichtig, diese Unterscheidung klarzumachen: Fachkompetenz allein macht noch keine Führungskraft. Aber Führen kann man lernen.
Erika Magyarosi: Absolut. Mein wichtigster Tipp lautet: Nie mit dem Lernen aufhören.
Ich gebe Workshops zu verschiedensten Themen, lese viel und in jedem Buch, jedem Artikel steckt ein Gedanke, den ich noch nicht hatte.
Darum rate ich dazu: Gerade wenn Sie meinen, schon vieles zu wissen, ist es ein guter Moment weiterzulernen.
Dabei liegt mir ein Punkt besonders am Herzen:
Meine Erfahrung zeigt, dass, wenn eines meiner Seminare „wertschätzende Kommunikation“ heißt, fast nur Frauen dabei sind. Zu „Führungs-“ oder „Verhandlungsseminaren“, kommen fast nur Männer.
Ich sage: Besuchen Sie beides!
Frauen sollten in Verhandlungsseminare gehen, denn wir verhandeln ständig. Männer profitieren von Workshops über Empathie, Haltung, wertschätzende Sprache. Führungskräfte sollten sich als Lernende verstehen, denn damit ist man nie fertig. Und genau das zeichnet gute Führung aus.

Über Erika Magyarosi
Erika Magyarosi ist zertifizierte Trainerin, Dozentin und Coach. Seit 2009 begleitet sie Menschen dabei, ihr Potenzial voll zu entfalten. Mit ihrem Ansatz „Impetus. For Happy Brains“ gibt sie Menschen Denkanstöße, um ihnen zu einem „Happy Brain“ zu verhelfen, damit sie ihre eigenen Fähigkeiten optimal nutzen und Ziele leichter erreichen können. www.erikamagyarosi.com
Interview: Gudrun Huneke
Fachliche Ansprechpartnerin:
Nina Schulz
Projektleiterin VDI-WoMentorING
E-Mail: schulz_n@vdi.de




