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Bild: Westend61 via Getty Images
Gesundheit

Klimawandel beeinflusst Pollenbelastung

VDI-Handlungsempfehlung bündelt interdisziplinäre Erkenntnisse für bessere Gesundheit

Klimawandel und Luftschadstoffe stehen in Wechselwirkung mit polleninduzierten Allergien. Die VDI-Handlungsempfehlung „Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie“ fasst Erkenntnisse aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen zusammen und zeigt Lösungen für mittel- und unmittelbar Betroffene auf.

Die negativen Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die menschliche Gesundheit sind bekannt. Ebenso beeinträchtigt der Klimawandel unser Wohlbefinden. Wie diese Umweltfaktoren zusammenhängen, dazu haben sich erstmals im VDI unterschiedlichste Disziplinen ausgetauscht. Mit dabei waren unter anderem Expertinnen und Experten aus Medizin, Meteorologie und Atmosphärenchemie.

Es geht dabei vor allem um Wechselwirkungen mit polleninduzierten Allergien. Schnell hatte die Expertenrunde Zielkonflikte identifiziert: Denn eine vermeintlich gute Maßnahme, die negative Einflüsse in dem einen Bereich verringert, wirkt sich oftmals nachteilig auf den anderen Bereich aus. Die VDI-Handlungsempfehlung „Klimawandel – Luftqualität – Pollenallergie“, erschienen Mai 2025, bündelt die Erkenntnisse und zeigt Lösungen für alle auf, die hier mittel- und unmittelbar betroffen sind. Die Idee zu dieser Initiative entstand in der VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss und wird von Fachbereich II „Umweltmeteorologie“ und Fachbereich III „Umweltqualität“ begleitet.

Luftverschmutzung und Klima beeinflussen allergische Erkrankungen

Allergische Erkrankungen sind mit einer hohen individuellen Krankheitslast sowie mit direkten und indirekten Kosten für die Gesundheitssysteme verbunden. Ihr Auftreten hängt von mehreren Faktoren ab: Das sind zum einen individuellen Einflussgrößen, wie die genetische Veranlagung oder der Lebensstil, aber auch Umwelteinflüsse, wie die Luftverschmutzung und das Klima, das seinerseits Wetter und Witterung beeinflusst. In der Folge verändern sich die Produktion, der Transport und die Ausbreitung von Pollen. In weiten Teilen Europas wird inzwischen eine verlängerte jährliche Gesamtpollenexposition beobachtet. Der Pollenflug beginnt früher und endet später. Außerdem breiten sich potenziell allergierelevante Pflanzen durch die Erderwärmung in bislang nicht betroffene Regionen aus, die zukünftig vermehrt mit neuen Pollenallergien konfrontiert sein werden.

Luftschadstoffe wirken direkt auf Pollen und ihre Zusammensetzung. Gleichzeitig beeinträchtigen Luftschadstoffe den menschlichen Organismus so, dass die eingeatmeten Allergene leichter zu den Zellen des Immunsystems vordringen und ihn empfänglicher für Pollenallergien machen.

Das Klima wiederum beeinflusst die Luftqualität. Beispielsweise ändern sich die Durchmischungsbedingungen, das heißt, dass Schadstoffe anders verteilt und verdünnt werden. Indirekt wirkt der Klimawandel auf die Luftqualität, wenn es um den erhöhten Bedarf an Kühlenergie in länger andauernden Hitzeperioden geht. Wird dieser Energiebedarf mit fossilen Brennstoffen gedeckt, werden gleichzeitig mehr Luftschadstoffe emittiert – ein Teufelskreis. Als Folge längerer Trockenperioden nimmt die Bodenerosion zu; damit steigt die Staubbelastung. Insbesondere die ultrafeinen Staubpartikel transportieren Pollenallergene tief in die Atemwege.

Baum ist nicht gleich Baum – die Art ist entscheidend

Angesichts dieser engen Verflechtungen überrascht es nicht, dass die VDI-Expertenrunde bei der Diskussion der Zusammenhänge schnell auf Zielkonflikte gestoßen ist. Hier ein Beispiel: Die Anpflanzung klimaresilienter Baumarten spendet Schatten und reduziert so lokal die Sonneneinstrahlung und damit die Temperatur: Die Aufenthaltsqualität nimmt zu. Werden jedoch Baumarten ausgewählt, ohne ihre allergologische Relevanz zu berücksichtigen, kann dies zu einer stark erhöhten Belastung mit allergierelevanten Pollen führen. Darüber hinaus kann die Luftschadstoffkonzentration zunehmen, insbesondere in einer durch Bäume eingeengten Straßenschlucht, weil die Austauschbedingungen sich dadurch verschlechtern. Zugleich emittieren einige Baumarten organische Verbindungen, die wiederum die Ozonbildung fördern.

Die VDI-Handlungsempfehlungen macht auf diese und weitere Zielkonflikte im Zusammenspiel von Klimawandel, Luftqualität und Pollenallergie aufmerksam. Sie unterstützt dabei, gesundheitsförderliche Maßnahmen zu ergreifen, um mit den veränderten Umweltbedingungen besser umzugehen und die Resilienz zu steigern. Dabei zeigt die Handlungsempfehlung neben dem aktuellen Forschungsbedarf vor allem Maßnahmen auf, die die Konzentration von Luftschadstoffen mindern und Pollenallergie-Betroffenen helfen, sich besser anzupassen. Adressiert werden dabei politisch handelnde Personen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Aber auch alle im Gesundheitssektor Tätige, Institutionen aus den Bereichen Gesundheit, Klimaschutz und Luftreinhaltung, Betroffene und die Wissenschaft profitieren.

Die Handlungsempfehlung kann kostenfrei heruntergeladen werden.

Zum Download

Fachliche Ansprechpartnerin und Autorin:
Dipl.-Umweltwiss. Ruth Heesen
VDI/DIN-Kommission Reinhaltung der Luft (KRdL) – Normenausschuss
Fachbereich Umweltqualität
Telefon: +49 211 6214-369
E-Mail: heesen@vdi.de

Redaktion: Alice Quack