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Bild: LeoWolfert /shutterstock.com

Klare Rahmenbedingungen für die Energiewende

Klimaschutz gewinnt seit Jahren an Bedeutung, und mit ihm das Thema Energiewende. Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen diskutieren Stakeholder in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft über nötige Maßnahmen. Auch die Ingenieur*innen im VDI beraten, welche technischen Lösungen dazu beitragen können, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Erneuerbare Energien als wirtschaftlichste Option

In der Publikation zum Fokusthema „1,5 Grad - Innovationen.Energie.Klima.“ wird der Rahmen zur Lösungsfindung und den entsprechenden Herausforderungen beschrieben. Denn eine wichtige Voraussetzung für alle Entwicklungen und Umgestaltungen des jetzigen Energiesystems ist ein zielführender regulatorischer Rahmen. Dabei ist das Ringen um Vorgaben und Lösungen jedoch stark von den Einzelinteressen verschiedener Gruppen geprägt. Der VDI als unabhängige Stelle zeigt, welche politischen Rahmenbedingungen eine erfolgreiche Energiewende braucht.

Regulatorischer Rahmen meint hier die Regeln und Gesetze, denen die betroffenen Sektoren des Energiesystems unterliegen. Das Ziel aller Vorgaben muss zukünftig die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende sein. Aber damit die Unternehmen die gewünschten Maßnahmen umsetzen, muss die Transformation des Energiesystems ökonomisch attraktiv sein. Solange die Senkung der Treibhausgas-Emissionen Wettbewerbsnachteile an nationalen und internationalen Märkten bedeutet, wird der Wandel nicht gelingen.

Kurzum: Der Ordnungsrahmen für unser Energiesystem muss erneuerbare Energien und Energieeffizienz auch wirtschaftlich zur attraktivsten Option machen. Hinzukommt, dass das bestehende System aus Steuern und Abgaben einer Zeit fossiler Energiequellen entstammt. Dieses System hat eine Förderung erneuerbarer Energien erst nötig gemacht. Denn das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das EEG, hat die Nachteile ausgeglichen, die erst durch das überholte Abgabensystem entstanden. Diese Förderung hat maßgeblich zur (Weiter-)Entwicklung der Technologien beigetragen.

CO2-Preis verändert Marktbedingungen

Die ersten Werkzeuge für den Weg in eine treibhausgasneutrale Energiewirtschaft sind der EU-ETS-Zertifikatehandel und die CO2-Bepreisung. Um die vollständigen Kosten der einzelnen Energietechnologien zu bewerten, müssten auch die zu erwartenden Schäden durch CO2-Emissionen und Auswirkungen auf die Umwelt im tatsächlich erwarteten Maß eingepreist werden. Das sogenannten Klimapaket der Bundesregierung sieht einen fixen CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2021 vor, ansteigend auf bis zu 65 Euro pro Tonne CO2. Die hier angenommenen Preise sind allerdings weit entfernt von den zu erwartenden Schäden durch Emissionen. So rechnet das Umweltbundesamt mit 180 Euro pro Tonne CO2.

Sobald ein System von Steuern und Abgaben auch die vollständigen Kosten der einzelnen Technologien einbezieht, und damit auch die zu erwartenden Schäden durch CO2-Emissionen und Auswirkungen auf die Umwelt im tatsächlich erwarteten Maß einpreist, ergibt sich eine vollkommen andere Marktkonstellation.

Neben dem System von Steuern und Abgaben sind auch Fördermaßnahmen für neue Energieanlagen dringend auf lange Sicht anzulegen. Denn Technologien, die heute verbaut werden und beträchtliche Emissionsreduktionen erlauben, werden noch lange betrieben.

Wenn wir den Klimaschutz jetzt nicht deutlich ambitionierter voranbringen, werden die späteren Maßnahmen noch viel gravierender ausfallen oder wir werden für viel Geld Zertifikate im Ausland einkaufen müssen. Sinnvoller ist, dieses Geld in Investitionen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und der energieeffizienten Technologien zu investieren. Das kurbelt auch die Konjunktur in Deutschland an und kann mehr Arbeitsplätze schaffen.

VDI-Direktor Ralph Appel

Die Energiewende braucht mehr Flexibilität

Ein Hemmschuh der Energiewende ist die fehlende Flexibilität. Ein Großteil des heutigen Energiepreises besteht aus Steuern und Abgaben. Diese sind unflexibel und so ist die Schwankungsbreite des Gesamtpreises gering. Um Flexibilität attraktiv zu machen, müssten sich die Steuern und Abgaben an Angebot und Nachfrage anpassen. Nur so ist die Summe aus Energiepreis, Steuern und Abgaben bei großem Energieangebot gering, bei unzureichender Energieerzeugung wiederum hoch.

Zudem beschäftigt die Energiebranche Tausende Menschen. 2017 waren 340.000 Menschen deutschlandweit im Bereich Erneuerbare Energien tätig. Im Vergleich: In der fossil-basierten Energiewirtschaft ist die Zahl der Arbeitsplätze von 1990 bis 2015 von über 100.000 auf etwa 15.300 zurückgegangen.

Eine konsequente Umsetzung der Energiewende könnte Arbeitsplätze vor Ort sichern und auch global neue Jobs schaffen. Deutschland als Hochtechnologieland kann hier Vorbild sein und die Entwicklung der Energiebranche und die globale Energiewende zentral mitgestalten. Damit kann Deutschland Exportpotenziale auf Zukunftsmärken erschließen und sichern.

Verstehen. Erklären. Gestalten.

Publikationen zum Thema 1,5 Grad

Christian Borm, M. Sc.
Ihr Ansprechpartner

Christian Borm, M. Sc.

Koordinator des Fokusthemas 1,5 Grad