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Ingenieure berichten aus der Praxis.

Volle Kraft voraus - Als Ingenieur in der Meeresforschung

„Lifting in a New Dimension“ damit begann am 23. Oktober die Fortsetzung der Reihe „Ingenieure berichten aus der Praxis“ des VDI Bezirksverein MV an der Universität Rostock. Die im Sommersemester begonnene Reihe wurde im Wintersemester mit interessanten Vorträgen von Referenten aus MV-Unternehmen fortgesetzt. Frank Julius, M.Sc., war der erste Referent im neuen Zyklus. Der junge Abteilungsleiter Produktionsplanung/-steuerung der Liebherr MCCtec, Rostock, berichtete über die Herausforderungen der Flexibilisierung und Spezialisierung im maritimen Kranbau. Vor noch gar nicht so langer Zeit, nämlich bis 2014, saß er noch selbst in den Hörsälen der Fakultät für Maschinenbau und Schifftechnik der Uni Rostock. Nach dem Studium startete er als Projektleiter bei der im Jahr 2002 gegründeten Liebherr-MCCtec Rostock GmbH. Sie entwickelt und fertigt Schiffs-, Hafenmobil- und Offshorekrane. Die direkte Anbindung des Werks an die Ostsee bietet beste logistische Voraussetzungen – vor allem für den weltweiten Vertrieb. Die Anforderungen, die der Bau eines Schiffkrans mit einer Tragfähigkeit von 5.000 Tonnen bei einer Ausladung von mehr als 30 Metern hat, faszinierte die Zuhörer: „der HLC 295000 könnte neun voll beladene A380-Flugzeuge heben“.

Was man als Ingenieur in der Meeresforschung macht, davon berichtete Robert Mars, M.Sc., Leiter der Arbeitsgruppe Meerestechnik im Leibnitz-Institut für Ostseeforschung, Warnemünde (IOW). „Volle Kraft voraus„ hieß es in diesem Jahr für Mars aber nicht in die Ostsee, sondern ins Südchinesische Meer mit dem Forschungsschiff Sonne. Das deutsche Forschungsschiff Sonne wurde am 17. November 2014 in seinem Heimathafen Wilhelmshaven in Dienst gestellt und löste den gleichnamigen Vorgänger ab. Eignerin des Schiffs ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Auf der Sonne untersuchen die Wissenschaftler Einflussfaktoren auf den Klimawandel oder auch den Schutz der Ökosysteme in den Meeren oder die Nutzung von Meeresressourcen. Vier Wochen verbrachte der Mecklenburger Ingenieur mit 24 deutschen und 16 chinesischen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen unter der Leitung des IOW Warnemünde, auf der Sonne. Aufgabenstellung: wie verteilen sich natürliche Stoffe und schädliche Substanzen menschlicher Herkunft im dortigen Schelfgebiet bis in tiefere ozeanische Regionen, welche physikalischen Prozesse dafür verantwortlich sind, wie weit der negative Einfluss urbaner und industrieller Ballungszentren ins Meer hineinreicht, und wie sich unterschiedliche Klimabedingungen auf diese Prozesse auswirken. Dass sich das einfacher anhört, als es letztendlich ist, davon konnte Mars spannend erzählen.

Was man als selbständiger Ingenieur in der Organisationsberatung beachten muss, welche Probleme auch die Selbstständigkeit mit sich bringt, darüber berichtete Jörg Schulz unter dem Thema „QM-Methoden in der Praxis- Systemisches Ermitteln und Beurteilen qualitativer Daten“. Der Diplom-Wirt.-Ing. (FH) ist Auditor und Trainer im Bereich Organisationsberatung seines Unternehmens QumaKom, Schwerin. Qualitätssicherung ist ein wichtiges Instrument in vielen Entwicklungs- und Produktionsprozessen. Wie Prozesse gestaltet werden müssen, um ein durchgängiges Qualitätsmanagement gestaltet werden müssen und wie man die Qualität von Prozessen überwacht, wurde in einem interessanten Vortrag vorgestellt.

Was Bad Doberan und Schiffbau miteinander zu haben, das klärte Michael Zimmermann im Dezember auf. „Putting Bad Doberan on the water – Engineering Challenges in the Design of a Large Cruise Liner“ war das Thema des promovierten Ingenieurs und Head of Calculation and Steel Approval, MV Werften, Wismar. Mit drei Standorten und rund 3000 Beschäftigten sind die MV Werften (Wismar, Rostock und Stralsund) das Herz der maritimen Industrie Mecklenburg-Vorpommerns. Verständlich, dass die Diskussion auf die Global Dream hinauslief. Ende November wurde das Mittelschiff dieses Riesen – ein Kreuzfahrtschiff für 9500 Passagiere – von Rostock nach Wismar geschleppt. Der Rostocker Schiffbauer, der das Auf und Ab der Mecklenburger Schiffbaubranche miterlebt hat, erläuterte wie Kundenwünsche, die im Falle der MV-Werften auch gleichzeitig Eignerwünsche sind, sich mit ingenieurtechnischen Sachverstand vereinbaren lassen. Ein praktisches Beispiel hierfür ist die weltweit erste Achterbahn auf einem Kreuzfahrtschiff.

Nächster Termin ist der 8. Januar zum Thema Digitalisierung in der Medizintechnik.

Fotos: Heide Bühler, VDI