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Veranstaltung des Arbeitskreises Schiffbau und Schiffstechnik

Foto: © N. Trzeciak-Fraß

Unter dem Titel „Rotterdam 2050, Ziel der emissionsfreie Hafen“ fand am 18.09.2019 die zweite Folgeveranstaltung zum Expertenforum in den Räumen der Klassifikationsgesellschaft DNV GL statt.

Der Referent Herr Dr. Hönemann ist in Nordrhein-Westfalen Repräsentant für den Rotterdamer Hafen und stellte zu Beginn seiner Ausführungen die herausragenden Fakten des Hafens dar. Das Hafengebiet erstreckt sich auf einer Länge von über 45 km vom Stadtgebiet bis zur Maasvlakte 2 an der Nordsee. Für einen effizienten Containertransport steht unter Nutzung der Schiene für die „Langstrecke“ innerhalb des gesamten Hafens der ‟PortShuttle” zur Verfügung. Die Containerterminals auf dem Gebiet der Maasvlakte werden auf der Container Exchange Route mit LKW, die auf ihren Anhängern bis zu zehn Kisten transportieren, angefahren. In der Planung ist der autonome Betrieb.

In den Niederlanden werden zurzeit nur noch drei Kohlekraftwerke betrieben. Als Primärenergie wird verstärkt Gas und Biomasse eingesetzt. Mit der Folge für den Hafen, dass der Kohleumschlag weiter abnimmt und 2038 nach Abschaltung der deutschen Kohlekraftwerke keinen nennenswerten Beitrag mehr ausmachen wird.

In der Logistikkette eines Containers gibt es 28 Beteiligte mit ganz unterschiedlichen Interessen. Damit diese Kette effizienter wird, nutzt der Hafen digitale Plattformen, um z.B. auf verspätete Schiffsankünfte schneller reagieren zu können. Auch Lkw-Leerfahrten, die zurzeit noch einen Anteil von ca. 25% am Transport auf der Straße haben, sollen hierdurch reduziert werden.

Die niederländische Regierung hat das Projekt Green Deals ausgerufen, mit dem Treibhausgasemissionen verringert, Energie eingespart und die Natur erhalten werden soll. Partnerschaftsvereinbarungen mit wirtschaftlichen Unternehmen werden vom Staat gefördert. Am 11.06.2019 ist der relevante Green Deal zwischen der maritimen Wirtschaft -Seeschifffahrt, Binnenschifffahrt und Häfen- und der Politik unterzeichnet worden.

Folgende Ziele umfasst diese Agenda:

bis 2030:
•    Senkung der CO2 Emissionen um 40-50% gegenüber 2015 (Binnenschifffahrt)
•    150 Binnenschiffe in Fahrt mit Null-Emissionen-Antrieb
•    mindestens ein emissionsfreies Seeschiff

bis 2035:
•    Senkung der Luftschadstoffe um 35-50% gegenüber 2015

bis 2050:
•    Realisierung einer nahezu emissionsfreien Binnenschifffahrt
•    CO2 Reduktion in der Seeschifffahrt um 70% gegenüber 2008
•    möglichst klimaneutrale Seeschifffahrt nach 2050

Um diese Ziele zu erreichen wird u.a. ein nationales Förderprogramm aufgelegt, werden Umweltzonen eingerichtet und Einfahrverbote z. B. für Binnenschiffe erteilt, deren Motoren nicht den Anforderungen der ZKR (Zentralkommission für die Rheinschifffahrt)  Richtlinie Stufe II entsprechen und Landstrom und Elektroboote von der Steuer befreit.

In der Realisierung ist ein Projekt mit elektrisch angetriebenen Binnenschiffen für die Heineken Brauerei, die für den Transport zwischen dem Abfüllort und dem Rotterdamer Hafen eingesetzt werden sollen. In Containern werden an Deck Batterie-Packs stehen, die einfach zum Laden an Land gestellt werden können.

In den Niederlanden werden bei Projekten, die z. B. einen erheblichen Eingriff in die Natur erfordern, alle Beteiligten frühzeitig in die Planungsschritte miteinbezogen, so dass Verzögerungen durch Klagen oder Proteste kaum entstehen. Eine offene Kommunikation unterstützt die Realisierung maßgeblich.

Auch die Politik in Hamburg hat gemerkt, dass ein Blick über die Elbe hinaus in Richtung Westen beim Thema Umweltschutz hilfreich sein kann. Der Senat will auf das Rotterdamer Stadtparlament und die weiteren Häfen der Nordrange (Antwerpen, Bremen/Bremerhaven und Le Havre)  zu gehen, um gemeinsame Regeln für „klimaneutrale“ Häfen aufzustellen. Es ist zu hoffen, dass die Vorschläge zu einheitlichen Regeln führen und damit die Emissionen der maritimen Branche reduziert werden. Allerdings war laut Herrn Hönemann, die „Hamburger Post“ bisher nicht in Rotterdam angekommen.

Steffan Brickart (VDI Arbeitskreisleiter Schiffbau und Schiffstechnik)