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VDI-Zukunftsagenda 2021

Empfehlungen zur Bundestagswahl

Empfehlungen zur Bundestagswahl 2021

Welche politischen Weichenstellungen in den nächsten Jahren notwendig sind

In vielen technologieintensiven Politikfeldern müssen in der kommenden Legislaturperiode die Weichen für Deutschlands Zukunft gestellt werden. Um Herausforderungen wie den Klimawandel oder die digitale Transformation zu bewältigen sind dabei intelligente und gesellschaftlich akzeptierte Innovationen notwendig. Der VDI möchte in seiner Zukunftsagenda die Debatte über Lösungsansätze stimulieren, den faktenbasierten Diskus mit Politikerinnen und Politikern anregen und schließlich auch die Mitglieder in diesen Diskurs einbeziehen.

In den vergangenen Monaten hat der VDI in einer internen Mitgliederbefragung verbunden mit einem Diskussionsprozess vier wichtige Zukunftsfelder identifiziert, in denen technische Lösungen bereits vorliegen, deren Umsetzung und Ausgestaltung oftmals politisch aber noch diskutiert wird. Die folgenden vier Felder wurden aufgrund ihrer gesellschaftlichen Herausforderungen, ihrem relativ hohen politischen Regulierungsbedarf sowie ihrem Bedarf an technisch innovativen Lösungen ausgewählt:

  1. Energie und Klimaschutz
  2. Mobilität der Zukunft
  3. Digitale Transformation
  4. Ressourceneffizienz und Circular Economy

In der VDI-Zukunftsagenda 2021 werden je Zukunftsfeld die politischen Handlungsbedarfe identifiziert und anschließend wenige kurz gehaltene Empfehlungen für die kommende Legislaturperiode und die zukünftige Bundesregierung formuliert.

Im Folgenden werden die einzelnen Zukunftsfelder kurz skizziert. Die vollständige Zukunftsagenda kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Zukunftsfeld "Energie und Klimaschutz"

Der Schutz des Klimas ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Auch dank deutscher Ingenieurinnen und Ingenieure liegen bereits viele, wenn nicht genügend Konzepte vor, um diesen Weg meistern zu können. Die Aufgabe der neuen Bundesregierung wird sein, schnell sehr konkret den Handlungsrahmen für alle Sektoren so abzustecken, dass die Defossilisierung in eine zügige Umsetzung kommt. Die neue Priorität der Defossilisierung, der Vermeidung fossiler Energieträger, und die Vorrangstellung erneuerbarer Energieträger erfordert keine Reparatur am alten System, sondern einen mutigen konzeptionellen Neuanfang.

Zentrale Handlungsfelder:

  • Treibhausgasemissionen reduzieren
  • Energiewende 2.0 vorantreiben
  • Potenziale der Wasserstoffnutzung realistisch einschätzen
  • Ausbau und Nutzung erneuerbarer Energien schneller vorantreiben

Zukunftsfeld "Mobilität der Zukunft"

Vernetzte und automatisierte Fahrzeuge, intermodale Mobilitätskonzepte oder alternative Antriebe: Die Mobilität der Zukunft ist vielfältig. Dabei gewinnen nicht nur Klimaschutz und Sicherheit an Bedeutung, auch die individuellen Bedürfnisse von Nutzerinnen und Nutzern und anderen Akteuren des Verkehrsgeschehens rücken bei der Gestaltung der Mobilität von morgen zunehmend in den Vordergrund. In technischer Hinsicht drückt sich dies in einem regen Innovationsgeschehen aus, das von der Elektrifizierung der Antriebe über die Automatisierung der Fahrzeug- und Verkehrssteuerung bis hin zu einer engeren Verzahnung der verschiedenen Verkehrsmodalitäten reicht. Damit wird eine Transformation eingeleitet, die über 100 Jahre nach Erfindung des Automobils den Schwerpunkt nicht mehr auf das individuelle Fahrzeug legt, sondern die Mobilität gesamtsystemisch betrachtet und bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Gesellschaft, Umwelt und das Klima bewertet. Bundestag und Bundesregierung sind aufgerufen, diesen Wandel mit Weitblick zu begleiten und in der kommenden Legislaturperiode den Rahmen für die Mobilität der Zukunft schaffen.

Die wichtigsten Handlungsfelder:

  • Mobilitätswende vorantreiben
  • Neue Konzepte für die Mobilität der Zukunft entwickeln
  • Energieinfrastruktur für Mobilität der Zukunft schaffen
  • Wertschöpfung in Deutschland halten

Zukunftsfeld "Digitale Transformation"

Die digitale Transformation von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft wird in den 20er Jahren erheblich an Dynamik gewinnen. In einigen Bereichen hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie einen wahren Digitalisierungsschub ausgelöst. In anderen Feldern, wie z. B. Bildung oder Gesundheit haben sich dagegen Defizite offenbart, die in der kommenden Legislaturperiode dringend adressiert werden müssen. Insgesamt aber wird die immer wichtiger werdende Voraussetzung der digitalen Transformation, nämlich die Nutzung von Daten, viel stärker in den Fokus gerückt werden müssen. Deutschland muss im engen Schulterschluss mit Europa zunächst seine digitalen Kompetenzen und Zukunftstechnologien weiter auf- und ausbauen. Autonomes Fahren, Künstliche Intelligenz und Quantencomputing sind nur einige Beispiele für Technologien, mit deren Weiterentwicklung die technologische Souveränität Deutschlands und Europas zielgerichtet gefördert werden kann. Grundlage für all diese Technologien sind Daten. Daten sind aber nicht gleich Daten. Die Politik ist hier gefragt einen Rahmen für die Datennutzung zu entwickeln, der Innovationen und Datensicherheit gemeinsam denkt.

Die wichtigsten Handlungsfelder:

  • Daten als Innovationstreiber neu denken und nutzen
  • Den Betrieb von Dateninfrastrukturen breit aufstellen
  • Ambitionierte Missionen von Staat und Privatwirtschaft ermöglichen
  • Neuausrichtung – und Organisation der Digitalpolitik

Zukunftsfeld "Ressourceneffizienz und Circular Economy"

Ressourcen effizient nutzen und schonen, um unter Einhaltung der planetaren Grenzen langfristig in Frieden und Wohlstand zu leben ist eine der Kernherausforderungen, die in den nächsten Jahren angegangen werden muss. Die notwendige Transformation zu einer ressourceneffizienten Circular Economy umfasst sämtliche Branchen der Industrie und der Gesellschaft und erfordert Anstrengungen und Kooperation von allen Beteiligten. Mit Blick auf die Komplexität dieser Transformation, den unterschiedlichen Interessenlagen, den technologischen und strukturellen Herausforderungen wird schnell klar, dass nicht nur ein Umdenken erforderlich ist, sondern auch die Politik den Wandel durch einen geeigneten regulatorischen Rahmen stärker forcieren muss.

 

Die wichtigsten Handlungsfelder:

  • Umdenken für einen ressourceneffizienten Kreislauf
  • Produktpolitik für nachhaltige Produkte
  • Technologien und Infrastrukturen mit Tempo ausbauen
  • Regulatorischer Rahmen mit Lenkungswirkung
Dr. Volker M. Brennecke
Ihr Ansprechpartner

Dr. Volker M. Brennecke

Leiter der Abteilung Politik und Gesellschaft
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