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Zirkuläre Wertschöpfung
Recycling von Rotorblättern

Balsaholz von Epoxidharz befreien

Rotorblätter aus laminiertem Balsaholz ließen sich bisher nicht recyceln. Doch nun haben Forscher eine Lösung gefunden: Sie gewinnen das Holz zurück und fertigen daraus neue Dämmstoffmatten.

In Deutschland sorgen etwa 30.000 Windkraftanlagen für grünen Strom. Doch nach ihrem Gebrauch landen sie auf dem Sondermüll. Einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie (ICT) in Pfinztal zufolge ließen sich bis 2027 rund 87.000 Blätter ausrangieren. Forscher am Fraunhofer-Institut für Holzforschung, dem Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) in Braunschweig, haben dafür sogar eine Recyclingtechnik entwickelt.

Die langen Arme der Windräder bestehen meist aus Balsaholz, das mit Matten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK) und Epoxid- oder Polyesterharz verklebt ist. Rund 15 m³ extrem druckfestes Balsaholz stecken in einem Rotorblatt. „Das ist der entscheidende Vorteil von Balsaholz gegenüber den meisten Kunststoffschäumen“, erklärt Projektleiter Peter Meinlschmidt vom Fraunhofer WKI.

Die Forscher von WKI und ICT haben nun gemeinsam mit Partnern aus der Industrie eine neue Recyclingtechnik entwickelt. Dafür werden die abgenommenen Blätter noch vor Ort zerlegt. Normalerweise arbeitet man sich mit einer Bandsäge durch das Rotorblatt, allerdings ist das relativ aufwendig. „Wir probierten es stattdessen mit einer Wasserstrahllanze. Das ging deutlich schneller und besser“, erzählt Meinlschmidt.

Da die Lanze wegen des gewaltigen Rückstoßes nur schwer zu führen ist, wurde sie an einem speziellen Fahrzeug befestigt und von dort aus gesteuert. So entstehen etwa 20 Meter lange Stücke, die in einer Zerkleinerungsmaschine auf die Größe eines Handtellers zerkleinert werden. Eine sogenannte Prallmühle trennt schließlich die einzelnen Bestandteile voneinander. Dafür werden sie in Drehungen versetzt und mit hoher Geschwindigkeit auf Metall geschleudert. „Das Verbundmaterial bricht auseinander, weil das Holz zähelastisch ist, während Glasfaser und Harz sehr hart sind“, sagt der Projektleiter.

Am Fraunhofer WKI werden daraus jetzt extrem leichte Holzfaserdämmmatten gefertigt. Mit einer Dichte unter 20 kg/m³ bieten sie eine ähnlich gute Dämmung wie Styropor. Zudem lässt sich das recycelte Holz sehr fein gemahlen und mit Schaummittel versetzt zu einem neuartigen Holzschaum verarbeiten, der als umweltfreundliches Dämm- und Verpackungsmaterial eingesetzt werden kann.

Autorin: Bettina Reckter

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