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Gesundheitsrisiko Klimaanlage

Lufthygiene in Fahrzeuginnenräumen

Laut einer Studie des Personaldienstleisters Randstad verbringen deutsche Arbeitnehmer jedes Jahr fast 14 Tage im Auto. Darum wird es Zeit, dass auch die Luftqualität im Fahrzeug als sicherheitsrelevant gelten muss. Wir haben uns des Themas angenommen und die Lufthygiene in Fahrzeuginnenräumen genauer in den Blick genommen.

Heutzutage verfügt (fast) jedes Auto über eine Klimaanlage. Sie sorgt jederzeit für angenehme Temperaturen, sowie für eine Entfeuchtung der Luft im Wagen. Neueste Modelle steuern die effiziente Frischluftzufuhr bereits über eine Messung des Kohlendioxidgehalt im Innenraum.

Wenn es um die eingeschränkte Sicht durch beschlagene Scheiben geht, leuchtet jedem ein, dass hier Lüftungsmaßnahmen für die Sicherheit relevant sind, aber sie sind auch für die Luftqualität entscheidend. Darum sollten Komfort und Sicherheit beim Thema Raumluftqualität in Fahrzeugen Hand in Hand gehen, denn neben den offensichtlichen Sicherheitsaspekten, kann beispielsweise überhitzte Luft auch die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit vermindern.

Hygiene geht uns alle an!

Heute spielt Hygiene – in diesem Fall Lufthygiene im Sinne des Gesundheitsschutzes – auch in unserem Alltag eine große Rolle. Wir stellen uns dieser wichtigen Herausforderung und haben interdisziplinär die solide Basis der bestehenden VDI 6032 überprüft und dem heutigen anerkannten Stand der Technik angepasst.

Die neu als Entwurf erschienene Richtlinie VDI/ZDK 6032 Blatt 2 „Lufttechnik; Luftqualität in Fahrzeugen; Hygieneanforderungen an die Lüftungstechnik; Pkw/Lkw“ beschreibt und bewertet dabei nicht nur einen gewünschten Ist-Zustand, sondern versucht längst überfälligen Standard in einer automobilen Gesellschaft zu etablieren und gesunde Luft im Auto kontinuierlich sicherzustellen. 

Gesundheitsrisiko Klimaanlage

Es ist bekannt, dass eine schlecht eingestellte Klimaanlage ein Gesundheitsrisiko darstellen kann. Zum einen durch Zugluft oder zu große Temperaturunterschiede von Außenluft- und Innenraumlufttemperatur, die sich negativ auf den Kreislauf auswirken können. Aber auch andere Erkrankungen oder Unwohlsein können durch die hygienerelevanten Zusammenhänge einer Klimaanlage ausgelöst werden.

Beim Kühlvorgang sammelt sich am Lamellensystem des Verdampfers Kondenswasser. Dieses so entstandene feuchte Milieu bietet beste Bedingungen für mikrobiologische Besiedelung. Sowohl Bakterien als auch Schimmelpilze können sich hier rasant vermehren. Verstärkt wird diese Verkeimung der Lamellenoberflächen oft noch durch überladene Innenraum- und Pollenfilter, deren Wirkung ohnehin mit der Zeit nachlässt.

Zudem zerfallen Pollen, Stäube und Schadgase mit der Zeit zu immer kleineren Partikeln, die dann vermehrt in den Zuluftstrom geraten. Dieser Hygienemangel ist bereits gravierend, lange bevor er sich beispielsweise durch unangenehme Gerüche bemerkbar macht.

Folgen mangelnder Lufthygiene

Da die Fahrgastzelle vergleichsweise klein ist, wird durch den steten Eintrag organischer, mikrobiologischer, allergener und chemischer Verunreinigungen relativ schnell eine hohe Schadstoffkonzentration in der Atemluft erreicht. Unter dieser Belastung leiden in erster Linie allergie- oder asthmageplagte sowie chemikaliensensible Menschen. Das trifft aber alleine in Deutschland auf rund ein Drittel der Erwachsenen zu, bei Kindern sogar auf über 40 Prozent. Bei häufiger und langer Nutzung des Fahrzeugs und hoher Belastung können jedoch auch weniger sensible Menschen unter Befindlichkeits- und gesundheitlichen Auswirklungen leider.

Die Lösung: Wartung und Reinigung

„Wir haben ein Risikopotenzial. Eine Autoklimaanlage ist ähnlich zu bewerten wie die in Gebäuden. Wenn die Filter nicht regelmäßig oder unsachgemäß gewechselt werden, habe ich natürlich ein Problem“, so Dr. Andreas Winkens, Vorsitzender der VDI-Richtliniengremien zur Lufthygiene in Fahrzeugen VDI/ZDK 6032 und Richtlinienvorsitzender der VDI 6022.

Wie aber können Risiken aufgrund mangelnder Lufthygiene reduziert werden? Gesundheitliche Risiken können leicht ausgeschlossen werden, wenn auf regelmäßige Filterwechsel und Reinigung der entsprechenden Anlagenteile in der Lüftungs- und Klimaanlage geachtet wird.

Leider sind die nötigen Hygienemaßnahmen im Werkstattalltag häufig nahezu unbekannt. Auch entsprechendes Know-how und technische Ausstattung fehlen fast durchgängig. Zwar bieten die meisten Service- und Kfz-Werkstätten eine Wartung als sogenannten „Klimaservice“ o.ä. an, allerdings liegt der Schwerpunkt dabei meist auf einer Prüfung der Funktionsprüfung sowie auf Dichtigkeitsprüfungen und einer Kontrolle des Kältemittels. Selbst wenn ein Filterwechsel erfolgt, gehört die „Reinigung“ des Klimasystems oder Teilen davon meist nicht dazu.

Dabei muss jedem klar sein, dass Wartung und Reinigung von KFZ-Klimaanlagen wichtige Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sind und somit eine sachkundige Verfahrensweise nach allgemein anerkannten Regeln der Technik erfordern.

Ziel dieser Richtlinie ist es daher, Fahrzeugherstellern, Konstruktionsverantwortlichen, Zulieferern, Fuhrparkverantwortlichen, Arbeitgebern und Kfz-Werkstätten wichtige technische Empfehlungen zu geben, um mit dem Stand der Technik Innenraumlufthygiene- oder ganz einfach gesunde Luft im Pkw und Lkw - nachhaltig sicherzustellen und damit Mobilität und Verkehr diesbezüglich risikoärmer, attraktiver und vor allem zeitgemäß zu gestalten.

Fachlicher Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Christof Kerkhoff
VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (VDI-FVT)
Telefon: +49 211 6214-645
E-Mail: kerhoff@vdi.de 

Raumluft im Auto


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