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VDI-Policy Forum

Automatisiertes Fahren in der Smart City

Bild: J. Schicke/VDI

Paradigmenwechsel verändert die Mobilität nachhaltig

Automatisiertes Fahren in Städten braucht gemeinsame Ziele und einen strukturierten Dialog – das ist das Fazit des ersten VDI-Policy Forums, bei dem am 12. Dezember 2019 in Berlin rund 160 Akteure der Mobilitätsbranche, der Städte, den Behörden, der Kommunal- und Bundespolitik zusammenkamen. Mit dem Format bietet der VDI allen beteiligten Akteuren eine Plattform, um gemeinsam Handlungsbedarfe zu sichten und zu diskutieren. 

Mittel- bis langfristig ist automatisiertes und vernetztes Fahren die Zukunft der Mobilität in Städten. Ziel dabei ist es, innovative Mobilitätskonzepte zu entwickeln, die die Schwächen des ÖPNV und des Individualverkehrs beseitigen: Fahrerlose Fahrzeuge wie Shuttle oder Kleinbusse sowie autonomes Carsharing machen eine völlig neue Mobilität möglich. Dieser Paradigmenwechsel nimmt Einfluss auf die Zukunft von Verkehrsunternehmen, Kommunen und Verwaltungen und nicht zuletzt auch auf die der deutschen Automobilindustrie. Aufgrund der vielen Player ist es wichtig, dass die Politik diesen Prozess begleitet und moderiert.
Mit dem VDI-Policy Forum „Automatisiertes Fahren in der Smart City“ hat der VDI dafür die Grundlagen geschaffen: Im Plenum und in thematischen Diskussionsforen diskutierten die zahlreichen Experten, wie die unterschiedlichen Bereiche des automatisierten Fahrens in der Smart City in einander greifen. VDI-Präsident Volker Kefer machte anhand einer neuen VDI-Studie deutlich, dass die „öffentliche Akzeptanz des automatisierten Fahrens kein Selbstläufer“ sei. Die Studie zeigt, dass obwohl der Klimaschutz als auch die Verkehrssicherheit durch automatisiertes Fahren zunehmen würden, die Bevölkerung dem sehr skeptisch gegenüberstehe. „Eine breite gesellschaftliche Akzeptanz ist allerdings die Grundvoraussetzung für den künftigen Einsatz automatisierter Fahrzeuge“, so Kefer. Akzeptanz „entsteht erst mit dem erlebbaren Nutzen“, stellte ergänzend Lutz Eckstein, Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik, klar. Deshalb sei es erstrebenswert, an zahlreichen Orten in Deutschland Living Labs zu schaffen: Innovative Mobilitätskonzepte müssten im Alltag zu „erfahren“ sein und zu dessen weiterer Optimierung beitragen.

Der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger aus dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur stimmte dem zu und sah es vor allem als Aufgabe der Politik, erst einmal die 5G-Standorte weiter auszubauen. Ziel der Veranstaltung war es, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Themenfeldern erarbeiteten:

Klare Rollendefinition der beteiligten Akteure

Um städtische Mobilitätskonzepte zu entwickeln und technische Innovationslösungen zu erarbeiten, müssen Automobilindustrie, Kommunen, öffentliche Verkehrsunternehmen, Shuttleentwickler und weitere Anbieter ihre Ziele und Rollen klären und die technischen Konzepte abstimmen. Bundes- und Landesregierungen sollten hierfür ihre Strategien besser synchronisieren und diese Prozesse moderieren.

Datenschutz und IT-Sicherheit

Grundlage für automatisiertes Fahren in der Stadt ist eine digitale Infrastruktur, die die Kommunikation und Vernetzung zwischen Fahrzeugen und zwischen diesen und der städtischen Infrastruktur sicherstellt. Hierbei geht es vor allem um Daten aus der vernetzten städtischen Verkehrsinfrastruktur (Lichtsignalanlagen, Baustellen, Wechselverkehrszeichen etc.) sowie die anonyme Nutzung der Bewegungsdaten der Verkehrsteilnehmer durch die Betreiber der Verkehrsinfrastruktur. Neben dem Bedarf an Standardisierung der technischen Schnittstellen liegen die großen Herausforderungen im Datenschutz und in der IT-Sicherheit. Hier besteht erheblicher Handlungsbedarf, um die Sorgen der Bevölkerung z.B. über Hackerangriffe zu entkräften.

Living Labs

Die individuelle und gesellschaftliche Akzeptanz der neuen Technologien und Mobilitätskonzepte hängt stark davon ab, inwiefern Bürgerinnen und Bürger bei der Einführung und Umsetzung in Städten beteiligt werden. Für eine möglichst erfolgreiche Einführung bedarf es sogenannter „Living Labs“. Innerhalb dieser werden die technischen Abstimmungen geprüft, infrastrukturelle Anpassungen vorgenommen, der Rechtsrahmen und vor allem die Kommunikation mit Stakeholdern und Bürgern integriert.

Die Teilnehmer des VDI-Policy Forums bestätigten die Notwendigkeit eines breit aufgestellten Dialogs zu diesen und weiteren Themen. Im nächsten Schritt ist nun zu prüfen, wie die Transformation der städtischen Mobilität hin zum automatisierten Fahren in strukturierten Dialogen weitergeführt und mit der Politik gut vernetzt werden kann.

 

Impressionen

„Öffentliche Akzeptanz von autonomen System ist kein Selbstläufer.“ 
 VDI-Präsident Volker Kefer und Lutz Eckstein, Vorsitzender der VDI-Fachgesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik, stellen die Studienergebnisse vor. Außerdem gibt es einen Ausblick, wo die ersten autonom fahrenden Fahrzeuge zu finden sein werden.

"Autonomes Fahren soll Allgemeinwohl dienen."

Beim VDI-Policy Forum diskutieren Städte und Gemeinde über die Herausforderungen und Chancen von autonomen Fahren in der Smart City. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Akzeptanz der Bevölkerung. Es braucht Konzepte, die den Mehrwert von autonomen Fahren aufzeigen.

"Wir brauchen einen politischen Rahmen."

Auf dem VDI-Policy Forum stellen Vertreter aus der Industrie die Chancen von autonomen und automatisierten Fahren vor. Außerdem fordern die Teilnehmer die Politik zum Handeln auf.

Dr. Volker M. Brennecke
Ihr Ansprechpartner

Dr. Volker M. Brennecke

Leiter der Abteilung Politik und Gesellschaft