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VDI-Veranstaltung auf Berliner Energietagen

Auf dem Weg in die Wasserstoffzukunft

Bild: Audio und werbung/Shutterstock.com

Wasserstoff ist ein entscheidender Faktor der Energiewende, ohne dessen Nutzung die Erreichung des Klimaschutzziels kaum möglich sein wird. Allein für die Elektrolyse von Wasserstoff zur Nutzung in der Chemischen Industrie wird jedoch schon so viel Strom benötig, wie pro Jahr in Deutschland insgesamt verbraucht wird. Gegenwärtig wird aber nur etwa die Hälfte dieses Stroms regenerativ erzeugt.

Aktuell muss die Politik daher für eine klimaneutrale Wasserstoffwirtschaft noch einige Voraussetzungen schaffen. Das ist das Fazit der virtuellen VDI-Veranstaltung auf den Berliner Energietagen vom 3. Mai 2022, wo Expert*innen aus Politik, Wissenschaft und VDI über Herausforderungen, Voraussetzungen und Lösungswege auf dem Weg zur Wasserstoffzukunft diskutierten. Den Livestream verfolgten mehr als 500 Teilnehmende, die sich per Chat an der Diskussion beteiligen konnten.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff

Wasserstoff bietet sich direkt oder in Form von synthetischen Treibstoffen als Energieträger der Zukunft an. Insbesondere für den Einsatz in der Chemischen Industrie als Rohstoff für eine Vielzahl von Produkten, aber auch in der Eisenschaffenden Industrie und für die internationale Luft- und Seefahrt. Prof. Michael Sterner VDI von der OTH Regensburg hob in seinem Einführungsvortrag Power-to-X als Schlüssel für eine klimaneutrale Wasserstoffzukunft hervor. Auch die Versorgungssicherheit kann zukünftig nur mit Power-to-X gewährleistet werden. Entscheidend hierfür ist allerdings der forcierte Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wie kann Wasserstoff klimaneutral erzeugt werden?

Oftmals wird jedoch vergessen, dass Wasserstoff ein Sekundärenergieträger ist und zuerst klimaneutral hergestellt werden muss: Durch Elektrolyse von Wasser mit Hilfe von treibhausgasneutral hergestelltem Strom aus Windkraft und Solarstrahlung. Auf diese Voraussetzung wiesen alle Referent*innen im Laufe der Veranstaltung immer wieder hin. Gegenwärtig wird in Deutschland nur etwa die Hälfte des Stroms regenerativ erzeugt. Allein der Ausbau der Elektromobilität und die zunehmende Nutzung elektrischer Wärmepumpen werden trotz Effizienzsteigerungen die Stromnachfrage weiter steigern.

Allein für die Elektrolyse von Wasserstoff zur Nutzung in der Chemischen Industrie werden voraussichtlich etwa 600 TWh pro Jahr benötigt. Dies entspricht der gesamten gegenwärtig pro Jahr in Deutschland verbrauchten Menge an Strom. Für die treibhausgasneutrale Stahlproduktion in Deutschland kommen nochmal etwa 250 TWh Strom hinzu. Deutschland braucht daher zukünftig noch viel mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff und die technischen Besonderheiten von Elektrolyseanlagen wies Andrea Appel vom VDE in ihrem Vortrag hin.

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Bundesregierung hat Handlungsbedarf erkannt

Die Bundesregierung hat dieses Problem bereits auf dem Schirm, betonte Dr. Philipp Stammler, Referatsleiter für die Nationale Wasserstoffstrategie im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Ausbauziel 10 GW Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030 wird schon bald angehoben werden, stellte Dr. Stammler fest. Auch über Priorisierungen bei der Anwendung von Wasserstoff für die nächsten Jahre wird schon bald geredet.

Ohne Fachkräfte keine Energiewende

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion herrschte auch zwischen den beiden Bundestagsabgeordneten Carsten Müller, CDU/CSU und Felix Banaszak, Bündnis 90/Die Grünen, grundsätzlich Einigkeit über die Notwendigkeit des forcierten Ausbaus der erneuerbaren Energien. Beide betonten, dass vor allem bei den Genehmigungsverfahren und beim Thema Akzeptanz die Prozesse verschlankt und die Bürger*innen noch mehr einbezogen werden müssen. Dr. Jochen Lambauer von der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt und Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Gesellschaft im VDI, moderierten die Veranstaltung und brachten die zahlreichen Fragen aus der virtuellen Publikumsrunde in die Diskussion ein. Dieter Westerkamp wies die Vertreter der Politik darauf hin, dass alle Anstrengungen beim forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien und dem Aufbau einer starken deutschen Wasserstoffwirtschaft ohne die notwendigen Fachkräfte kaum zu realisieren sind. Vor allem Ingenieurinnen und Ingenieuren kommt heute und erst recht zukünftig eine besondere Rolle bei der Planung und Umsetzung der Energiewende zu.

Autor:
Christian Krause
VDI-Büro Berlin
E-Mail: krause_c@vdi.de

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Jochen Theloke
VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt
E-Mail: theloke@vdi.de 

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