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Frauen im Ingenieurberuf

Fünf Fragen an Ann-Kathrin Sulzer zum Weltfrauentag

Ann-Kathrin Sulzer ist Referentin für Fahrzeugmanagement in der Instandhaltungsoptimierung bei der DB Fernverkehr AG. Ehrenamtlich ist sie beim VDI-Bezirksverein Mittelhessen e.V. als erste Frau Vorstandsmitglied. Darüber hinaus engagiert sie sich im VDI-Netzwerk Frauen im Ingenieurberuf (FiB) und als Vertreterin der Studenten und Jungingenieure (SuJ) im Beirat der VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung (VDI-GPP).

Zum Weltfrauentag berichtet Ann-Kathrin Sulzer von ihrem technischen Werdegang.

VDI: Frau Sulzer, haben Sie sich als Kind schon immer für Technik interessiert?  

Sulzer: Als Kind habe ich mich eher für die üblichen Mädchenthemen interessiert. Es hat mich jedoch oft beschäftigt, wie verschiedene alltägliche Dinge funktionieren – „Wie funktioniert das?“ und das Verstehen wollen sind heute noch sehr wichtig für mich. 

VDI: Wie kam es zur Entscheidung für ein Ingenieurstudium? Hatten Sie Vorbilder, die Sie in Ihrer Entscheidung beeinflusst haben?  

Sulzer: Zu meinem Interesse an Technik - und insbesondere deren praktischer Anwendung - hat mein Vater beigetragen. Wir haben oft zusammen im Haus geheimwerkt oder unsere Autos repariert. Daher stand für mich schnell fest, dass ich etwas Technisches studieren möchte. Meine Familie hat mich jederzeit dabei unterstützt und mich in meinem praktischen Denken, das mir bis heute oft zugutekommt, sehr geprägt. 

VDI: Sie sind bei der Deutschen Bahn im Bereich Fahrzeugmanagement und dort in der Instandhaltungsoptimierung tätig. Was sind dabei Ihre Kerntätigkeiten? 

Sulzer: Ich arbeite bei der DB Fernverkehr an der Optimierung der Instandhaltung unserer ICE und IC. Mein Ziel ist es, die Instandhaltungsprogramme der verschiedenen Baureihen weiterzuentwickeln. Dabei geht es auch um die Anpassung von Arbeitsabläufen, um so gewonnene Fertigungskapazitäten optimal auf die Instandhaltungstätigkeiten zu verteilen. Wir wollen in den Wartungsfenstern möglichst effizient instandhalten, um die Züge schnell wieder auf Leistung zu unseren Kunden zu schicken und Instandhaltungskapazitäten für neue Züge zu gewinnen. 

VDI: Erleben Sie in Ihrem Arbeitsalltag einen Zuwachs an jungen Ingenieurinnen? 

Sulzer: In meinem Team sind wir derzeit zwei Frauen und sechs Männer. Meine Abteilungsleiterin hat in den letzten Monaten einige Bewerbungsgespräche geführt und so bekommen wir Mitte des Jahres eine Teamleiterin. Auch innerhalb unserer Abteilung verzeichnen wir mit drei neuen Kolleginnen weiblichen Zuwachs. Das klare Statement meiner Abteilungsleiterin dazu: „Die Frauen sind sehr gut qualifiziert und waren einfach überzeugender.“ 

VDI: Sie sind im VDI-Netzwerk "Frauen im Ingenieurberuf" und als Vertreterin der Studenten und Jungingenieure (SuJ) im Beirat der VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung (VDI-GPP)  engagiert. Außerdem sind Sie Vorstandsmitglied beim VDI-Bezirksverein Mittelhessen - als erste Frau in der 69-jährigen Geschichte des Bezirksvereins. Warum ist Ihnen ehrenamtliches Engagement wichtig? 

Sulzer: Ich stehe gerne für meine Überzeugungen ein. Ich mag es sehr, neue Menschen zu treffen. Beim VDI kann ich beides – spannende Menschen kennenlernen und wichtige Anliegen gemeinsam weiterentwickeln.  

Zu Beginn saß ich in den Vorstandssitzungen des Bezirksvereins als einzige Frau mit Professoren und erfahrenen Ingenieuren zusammen. Liebevoll nannte ich sie „meine alten Herren“ und bin super motiviert aus unseren Sitzungen gegangen, weil ich wirklich von ihnen gelernt habe. 

Mittlerweile sind wir im Vorstand des BV Mittelhessen jünger und auch weiblicher geworden 😉 

VDI: Welche Tipps haben Sie für angehende Ingenieurinnen?  

Sulzer: Nur einen Einzigen: Traut euch – eure Meinung ist wertvoll! 

Das Interview führte Eike Röckel.

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